Upcoming Talks

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Entscheiden unter Un-sicherheit

8. September 2021 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Täglich treffen wir unzählig viele Entscheidungen. Die meisten sind unspektakulär. Aber manche sind wichtig, weil uns die Konsequenzen langfristig im Guten wie im Schlechten betreffen. Wie entscheiden wir, wenn die Konsequenzen unsicher und die verfügbaren Informationen komplex sind, die Zeit knapp ist und wir uns zugleich nicht auf langwieriges Abwägen einlassen können oder wollen? Entweder gehen wir intuitiv oder analytisch vor. Beide Wege bieten Vorteile, aber es lauern auch „Fallen“.  Die Psychologie zeigt, dass rationale Entscheidungen zur Maximierung unseres Nutzens eher die Ausnahme als die Regel sind. Zum einen ist unsere Aufmerksamkeit auf manche, aber nicht auf alle und nicht unbedingt auf die relevantesten Informationen gelenkt. Zum anderen können Menschen durchaus auch als „Geizhälse“ bezeichnet werden, wenn es darum geht, Zeit und Musse in Entscheidungen zu investieren. Wir haben auch Schwierigkeiten, Wahrscheinlichkeiten zu verstehen und logische Schlüsse zu ziehen. Wir sind in Entscheidungssituationen daher oftmals geneigt, „Abkürzungen“ zu nehmen. Und wir lassen uns von der Darstellungsform von Informationen dazu verführen, unflexibel auf Nummer Sicher zu gehen oder zu viel zu riskieren. Sind wir uns dieser „Fallen“ bewusst, so werden wir sicher nicht alle vermeiden können, aber wir müssen nicht in alle treten.

Prof. Dr. Erich Kirchler
Wirtschaftspsychologe
Universität Wien

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6. Oktober 2021 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Gerade in unübersichtlichen Zeiten geht es darum, einen klaren Kopf zu behalten und Entscheidungen abwägen zu lernen. Sich diesen Herausforderungen mit Gelassenheit zu nähern, trägt dazu bei, die eigene Perspektive zu kennen und den Boden unter den Füßen zu behalten. Gelassen handeln zu lernen und darin auch das Lassen zu tun, ist eine philosophische Tugend, die bis in die griechische Antike zurückreicht und in einer komplexen und digitalen Welt neue Handlungsräume eröffnen hilft.





Dr. Ina Schmidt
Philosophin
denkraeume.

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Autonomie

10. November 2021 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Hierarchiefreiheit, Selbstorganisation, Selbstbestimmung, Selbständigkeit, Selbstverantwortung, Eigeninitiative – die Konzepte zählen zu den Erfolgsformeln im Umgang mit Komplexitätsanstieg, generiert durch die digitale Transformation, die Globalisierung und den immensen Innovationsdruck in vielen Branchen. Individuelle und teambezogene Arbeitsautonomie, d.h. Formen der Selbstbestimmung, Zwanglosigkeit und Bürokratiefreiheit auf unteren Hierarchieebenen, stehen in engem Zusammenhang mit verschiedenen New-Work-Organisationsdesigns. Zudem gilt Autonomie gerade in wissensintensiven Organisationen als Voraussetzung für die Entwicklung individueller und kollektiver Kreativität und damit für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Einige Unternehmen stellen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits persönliche digitale Karriereberater zur Seite. Diese sollen passende Laufbahnmöglichkeiten aufzeigen und die Eigenverantwortung in der persönlichen Entwicklung fördern. Vor diesem Hintergrund müssen Führungspersonen und Mitarbeitende den Umgang mit Freiräumen intelligent gestalten, es gilt die richtige Balance zwischen Fremd- und Selbstbestimmung in der Organisation laufend zu definieren. Die Verlagerung von Kontrolle von der Ebene «Organisation» auf die Ebene «Team» bzw. «Individuum» ist für viele Organisationen eine Herausforderung und erzeugt Spannungen und Konflikte. Wie kann man diese konstruktiv managen? Wie genau bekommen das Unternehmen hin?

Prof. Dr. Kaudela-Baum
Ökonomin
Hochschule Luzern

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Achtsamkeit

9. Dezember 2021 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Achtsam sein heißt, seine Aufmerksamkeit in nicht-wertender Weise auf den gegenwärtigen Augenblick zu richten. Dieses aus dem Bereich des Buddhismus stammende Prinzip hat seit Anfang der 2000er Jahre viel Aufmerksamkeit in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wie Psychotherapie und Wirtschaft erfahren. Sich auf Achtsamkeit wirklich einzulassen kann allerdings herausfordernd sein, weil uns unsere Unausgewogenheiten durch ein höheres Maß an Bewusstheit eben auch stärker bewusst werden. Und dies gilt nicht nur für die persönliche Ebene, sondern ebenso für Imbalancen in Organisationen und unserer Gesellschaft als Ganzes. Das Üben von Achtsamkeit ist also keine „Wellness-Veranstaltung“. Es kann durchaus anstrengend und persönlich wie organisational herausfordernd sein. Aber der Weg der Achtsamkeit kann genau deswegen auch dazu beitragen, unsere Leben wieder besser in eine dynamische Balance zu führen.


Prof. Dr. Johannes Michalak
Klinischer Psychologe und
Psychotherapeut
Universität Witten-Herdecke

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Mutiges Denken

13. Januar 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

„Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Diesen Imperativ der Aufklärung ohne Rückfragen zu befolgen, wäre selbst wiederum unaufgeklärt. Was ist mein „eigener“ Verstand, wo denke ich selbst oder doch nur wieder das, was andere mir vordenken – vielleicht gerade, wenn sie mich auffordern, kritisch zu sein? Und was bedeutet an dieser Stelle „Mut“? In der Aristotelischen Ethik ist Mut die goldene Mitte zwischen zwei Extremen, die wir besser meiden: Feigheit und Tollkühnheit. Auch Selbstdenken kann in einem aufgeklärten Verständnis nur in einer solchen Balance trittsicher sein. Wie könnte so eine Balance in konkreten Kontexten aussehen? Und warum findet die Mitte oft leichter, wer sich auch an die Extremen heranwagt? 

Prof. Dr. Marie-Luisa Frick
Philosophin
Universität Innsbruck

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Erfolg und Niederlage

10. Februar 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Erfolge gehören zum Sportlerleben genauso dazu wie Niederlagen. Dies ist im Berufsleben nicht anders. Die spannende Frage ist, wie es Top-Athlet:innen schaffen, sich trotz häufiger Rückschläge immer wieder neu zu motivieren und ihre Leistung bei entscheidenden Wettkämpfen abzurufen. Scheinbar haben sie für sich eine passende Balance im Umgang mit Erfolg und Niederlage gefunden. Doch wie genau bekommen sie dies hin? Welche Bewertungsmechanismen liegen dahinter? Gibt es „Typen“ von Sportler:innen, die diese Balance besonders gut gestalten? Das Impulsreferat fokussiert auf Lern- und Entwicklungsprozesse bei Spitzensportler:innen. Oder anders: Wie kommt man eigentlich zu Olympia? …

Dr. Gregor Nimz
Arbeits-, Organisations- und
Sportpsychologe
Bridge Brain

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Doppelmoral

16. März 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Wer Wein trinkt und Wasser predigt, macht sich unbeliebt: Die Moralapostelin spielen, selber aber ein Auge zudrücken, wenn’s ums eigene Verhalten geht, kommt nirgends gut an. Umso hämischer grinsen wir, wenn der Saubermann strauchelt und die Musterschülerin patzt. Abgesehen davon, dass Häme nicht gerade die feine Art ist, mit menschlichen Verfehlungen umzugehen: Was ist an der Doppelmoral eigentlich falsch? In der Philosophie wird gern die Geschichte zum Besten gegeben des Wertethikers Max Scheler. Nach einem Bordellbesuch soll er gefragt worden sein, wie er sein Verhalten mit seiner Ethik vereinbaren könne. Scheler darauf: „Der Wegweiser geht auch nicht den Weg, den er weist.“ Insofern als wir Persönlichkeiten brauchen, die uns zumindest den Weg weisen und Vorschläge machen, wie wir leben sollen, ist es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn sie ihre Ratschläge selber nicht befolgen? Ganz so einfach ist es freilich nicht. Immerhin zeugen Unglaubwürdigkeit und Willensschwäche nicht gerade von Charakterstärke. Aber was, wenn keiner je bemerkt, dass wir heimlich dem Alkohol frönen? Ist das Problem der Doppelmoral dann nur noch ein Scheinproblem? Auch das wäre zu einfach. Denn menschliche Zufriedenheit hat viel damit zu tun, dass wir in Deckung kommen mit dem, woran uns liegt. Wenn uns am Wein wirklich liegt, sollten wir also auch nicht Wasser predigen müssen.

Dr. Barbara Bleisch
Moderatorin, Journalistin und Autorin
Barbara Bleisch

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Mensch-
Maschine

28. April 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Die Maschinen: Sind sie nun unsere Freunde oder nicht doch eher unsere Feinde? Inzwischen sollen sie ja intelligent sein. Bald schon intelligenter als wir Menschen – sagen jedenfalls die einen. Andere zweifeln daran. Beide Sichtweisen begreifen Mensch und Maschine als gegensätzlich und als Konkurrenten. Auch Konzepte des Zusammenwirkens von Mensch und Maschine übernehmen dies grossmehrheitlich. In den wissenschaftlichen Beschreibungen unterschiedlicher Stufen der Automatisierung geht die Kontrolle zunehmend vom Menschen zur Maschine über. Dabei spricht man inzwischen häufig auch von Autonomie und meint damit, dass die Maschine vom Menschen unabhängig wird. In Balance sind Mensch und Maschine dabei nicht. Aber es gibt auch hier Zweifel. In Frage gestellt wird dabei nicht nur die technische Machbarkeit, sondern das Konzept der maschinellen Autonomie grundsätzlich. Denn was immer die Maschine auch macht, in der Welt draussen wird sie dies mit anderen Akteuren koordinieren müssen – auch mit Menschen. Deswegen forschen wir zunehmend zum Mensch-Maschine Teaming. Dabei gehen wir davon aus, dass Mensch und Maschine unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Kombinieren wir die jeweiligen Stärken und beachten die Schwächen, so können sich Mensch und Maschine gegenseitig ergänzen und zusammen Leistungen erbringen, die weder der Mensch noch die Maschine alleine hervorbringen können. Die Voraussetzungen für eine balancierte Kombination von Mensch und Maschine stehen im Fokus dieses Impulsreferats.

Prof. Dr. Toni Wäfler
Arbeitspsychologe
Fachhochschule Nordwestschweiz

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Vertrauen

2. Juni 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Vertrauen basiert auf einem Balanceakt. In der Rolle der vertrauenden Person treffen wir unsere Entscheidungen grundsätzlich im Lichte von unvollständigen, ungenauen oder unsicheren Informationen. Das Risiko von Fehlentscheidungen ist immer vorhanden. Dies können wir nie ausgeschliessen, denn sonst bräuchten wir ja gar kein Vertrauen. Das Interessante jedoch ist, dass dieser Balanceakt zwischen Wissen und Nichtwissen fortlaufend nachjustiert werden kann. So können wir uns mehr Informationen zu beschaffen versuchen, indem man etwa das vergangene Verhalten des zu Vertrauenden genauer analysiert, um daraus Anhaltspunkte für sein zukünftiges Verhalten zu gewinnen. Wissen wir mehr als zu Beginn gedacht, können wir eventuell auch ‚den Einsatz erhöhen‘. Vertrauen ist immer dann am effizientesten, wenn man sich einem Risiko-Grenzwert annähert; wenn man ihn aber überschreitet, wird niemand Mitleid haben, falls die Sache schiefgeht. Was all dies mit der Dynamik zwischen personalem Vertrauen und Systemvertrauen zu tun hat, wird im Impulsreferat verdeutlicht werden.

Prof. Dr. Reinhard Bachmann
Soziologe
University of London

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7. Juli 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Wer über Macht spricht, spricht über soziale Beziehungen. Machtfragen durchdringen – ob gewollt oder nicht – unser Verhältnis zu anderen Menschen. Sei es im privaten, im öffentlichen, beruflichen, politischen oder kulturellen Leben. Damit wird Macht für jede:n von uns immer wieder zum Thema; implizit oder explizit. Die Philosophie sagt uns, dass Macht auf einem Anerkennungsverhältnis beruht; die Psychologie ergänzt, dass Macht ein hohes Potenzial hat zu korrumpieren. Denn Macht basiert auf Asymmetrien, die ausgebeutet werden können. Zugleich ist für Unternehmen und Institutionen klar, dass es in der Regel sowohl unverantwortlich wie auch für die jeweilige Organisation äusserst schädlich sein kann, wenn Menschen die ihnen verliehene Macht nicht ausüben. Es geht also vermutlich weniger um die Frage, ob Macht zu nutzen (gar an sich böse) sei oder nicht; sondern um die Frage, wie ein kompetenter und konstruktiver Umgang mit Macht aussehen könnte. Für eine aufgeklärte Gesellschaft gilt der «mündige Umgang mit Macht» als hohes Gut. Auch Unternehmen profitieren davon, wenn dies auf allen Ebenen eine wesentliche Zutat gelebten Leaderships ist. Doch was macht ein «mündigen Umgang» mit Macht aus? Welche Balanceakte stehen für jeden von uns dahinter? Und zwar egal auf welcher Seite eines konkreten Machtverhältnisses wir stehen? Diese Fragen werden in diesem Balance Talk von Christoph Clases zur Diskussion gestellt. 

Prof. Dr. Christoph Clases
Arbeitspsychologe
AOC Unternehmensberatung

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Interessierte
Selbst-
gefährdung

01. 09. 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

Durchschnitt ist nicht genug. Wir streben im Privaten, in der Freizeit, beim Sport und auch bei der Arbeit besondere Erfahrungen an, wir wollen und sollen erfolgreich sein. Bei der Arbeit helfen uns Kennzahlen, Key Performance Indikatoren oder Zielvereinbarungen bei der Orientierung. Genau diese Kennzahlenorientierung setzt uns aber auch unter Druck. Wer zum Erreichen der Kennzahlen einen Sprint nach dem anderen hinlegt, geht phasenweise auch über die eigenen Leistungsgrenzen. Das Impulsreferat zeigt daher auch auf, welche Verhaltensweisen im Arbeitsalltag zwar unser Ego streicheln, aber langfristig unsere Gesundheit ramponieren. Sie erhalten Einblicke, was diese interessierte Selbstgefährdung kennzeichnet – und was wir in Organisationen dagegen tun können. Neue, etwa agile Arbeitsformen bieten das Potenzial, Selbstsorge in den Arbeitsalltag zu integrieren und die negativen Effekte der Selbstgefährdung zu vermeiden.

Prof. Dr. Andreas Krause
Arbeitspsychologe
Fachhochschule Nordwestschweiz

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Sicherheit

29. September 2022 | 19.00 Uhr – 21.00 Uhr

«Sicherheit? Ja schon, kann aber auch zuviel sein!».  Wie finden Menschen und Institutionen bei solchen Abwägungen zwischen einem Zuviel an Einschränkungen und dem Wunsch nach Selbstentfaltung eine individuelle und gesellschaftlich akzeptable Balance? Kürzer gefragt «Wie sicher ist sicher genug?» Menschen ringen in diesem dialektischen Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis vor äusseren Gefahren geschützt und abgesichert zu sein und der subjektiven Befindlichkeit einer inneren Sicherheit, einem Zustand der Freiheit vor Angst und Furcht. Diese innere oder psychologische Sicherheit findet sich etymologisch im Securus, dem unbesorgten, furchtlosen Menschen, der sich sicher wähnte auch wenn er sich fürchten sollte. Sicherheit beinhaltet so gesehen eine Fähigkeit,  wenn auch vielleicht nur deren Illusion, die Dinge beherrschen oder kontrollieren zu können. Wenn Menschen das Vertrauen in ein System verlieren (durch Covid, Klima; Terror, …) schwindet dieses Gefühl des Schutzes und der Kontrolle. Ohnmacht oder auch Wut können sich ausbreiten, wenn Unsicherheiten zu-, bzw. Selbstsicherheiten abnehmen. Die Frage der Gestaltung resilienter, sicherer Systeme wird am Impulsreferat vertieft.

Dr. Cuno Künzler
Arbeitspsychologe
Dr. Cuno Künzler OrganisationsBeratung